Low-Code
Was ist Low-Code?
Low-Code bezeichnet einen Ansatz in der Software- und Prozessentwicklung, bei dem Anwendungen und Workflows überwiegend visuell erstellt werden. Statt grosse Teile einer Lösung von Grund auf zu programmieren, kommen grafische Modellierung, wiederverwendbare Bausteine und vorgefertigte Komponenten zum Einsatz. Dadurch lassen sich Anforderungen schneller umsetzen, Änderungen einfacher vornehmen und Fachbereiche enger in die Entwicklung einbinden.
Im Unterschied zu No-Code-Plattformen bleibt bei Low-Code die Möglichkeit erhalten, individuelle Funktionen, Schnittstellen oder Geschäftslogik gezielt durch Code zu erweitern. So eignet sich der Ansatz nicht nur für einfache Formulare und Freigaben, sondern auch für komplexe und unternehmenskritische Prozesse. Für Themen wie Integration, Architektur, Governance und Betrieb sind jedoch weiterhin entsprechende Fachkenntnisse erforderlich.
Die grössten Stärken entfaltet Low-Code im Prozessmanagement. In Kombination mit Standards wie BPMN 2.0 lassen sich Geschäftsprozesse visuell modellieren, automatisieren und direkt ausführen. Das verkürzt die Zeit von der Idee bis zum produktiven Prozess, reduziert Abhängigkeiten von klassischen Entwicklungszyklen und ermöglicht es Unternehmen, Prozesse kontinuierlich an neue Anforderungen anzupassen.
Ein einfaches Beispiel ist ein digitaler Ferienantrag:
Mit einer Low-Code-Plattform lässt sich der gesamte Ablauf visuell modellieren: Mitarbeitende erfassen ihren Antrag über ein Formular, die vorgesetzte Person erhält automatisch eine Aufgabe zur Genehmigung und nach der Freigabe wird der Antrag abgeschlossen. Formulare, Aufgaben, Benachrichtigungen und Prozessschritte können dabei meist ohne Programmierung per Drag-and-drop erstellt werden.
Sobald jedoch andere Systeme eingebunden werden sollen, kommt häufig zusätzlicher Code oder individuelle Konfiguration zum Einsatz. Beispielsweise kann die Plattform automatisch den aktuellen Feriensaldo aus dem HR-System abrufen, prüfen, ob genügend Tage verfügbar sind, und nach der Genehmigung die Ferientage direkt im HR-System abbuchen. Auch komplexere Entscheidungsregeln – etwa unterschiedliche Genehmigungswege abhängig von Abteilung, Dauer oder Stellvertretung – werden oft durch Skripte oder individuelle Logik ergänzt.
Low-Code ersetzt Programmierung also nicht vollständig. Es reduziert den Aufwand für die Prozess- und Anwendungsentwicklung erheblich, während individuelle Anforderungen gezielt dort umgesetzt werden können, wo Standardfunktionen nicht ausreichen.